Interview mit Viktoria Platzer von DearCreativeMedia

Was ist dein Beruf?

 

Ich bin Künstlerin und arbeite am liebsten mit Papier, da sich Papier als Trägermaterial gut formen lässt. Mein Arbeitsmaterial stelle ich nach einem speziellen Prozess her. Mit Wasser und Acryl- oder Aquarellfarbe werden durch einen langen Trocknungsprozess einzigartige Farbspuren auf dem Papier erzeugt.

Diese Farbspuren schichte ich nach der Trocknung immer wieder neu, reiße sie teilweise wieder ab, um nur mehr die Reste zu erhalten oder die Oberfläche des Papiers abzutragen. Mein Ziel ist, ein Gesamtwerk zu schaffen, das mit seinen Schichten und Texturen aus einzelnen Fragmenten eine eigene Geschichte erzählt.

Ich liebe das Arbeiten mit meinen Händen, das sinnliche Erleben, das Papier zu formen, zu streichen und anschließend wieder abzureißen.

 

 

Warum machst du das?

 

Diese Frage habe ich mir früher auch oft gestellt. Es scheint, in mir ist ein großer, innerer Drang dazu vorhanden, und ich möchte sehen und erleben, wohin er mich führt. Das ist meine Motivation.

Als Kind und später in der Schule wurde ich ermahnt, nicht zu viel zu patzen und das Papier und den Boden nicht zu überschwemmen. Zu Beginn meines Studiums hieß es, ich überflute meine Bilder mit viel zu vielen Techniken und Inhalten gleichzeitig. So beschloss ich, meine vermeintliche Schwäche in eine Stärke umzuwandeln. Ich überflute die gesamte Leinwand, bis der ganze Boden unter Wasser stand. Teile von Papier reiße ich wieder ab, wenn sie mir nicht gefallen und arrangierte sie neu.

Es hat mich stets geärgert, wenn ein Bild in den Mistkübel geworfen wird, nur weil es nicht gelungen ist. Heute verwende ich genau diese verworfenen Papiere und arbeite sie in meine Bilder ein.

Zudem habe ich beschlossen, meinen Werken keine spezifischen Titel zu geben, um den Farben und Formen Raum zu lassen und auf sich wirken zu lassen, sowohl deren Anordnung, Dynamik, Haptik, Oberfläche und Struktur.

Ich liebe es, meine kleine Tochter beim Malen zu beobachten, wie sie in spielerischer Leichtigkeit und freiem Ausdruck mit ihren Stiften auf das Papier kritzelt. Diese Kritzelphase bei uns Menschen ist es, die ich persönlich am spannendsten finde. Und hat man diese erst einmal verlassen, kommt man nie wieder zu ihr zurück...oder nur schwer...

Meine Tochter beginnt bereits damit, Bäume zu malen, ihre Farbpalette wird immer eingeschränkter und ich vermisse es, wie sie mit viel Wasser und einem ausgefransten Pinsel Löcher ins Papier macht und der Energie des Malens mit ihren Gesten Ausdruck verschafft.

Es geht die Unschuld, Selbstverständlichkeit und auch ein Stück innerer Freiheit verloren, wenn sie plötzlich fragt: „Mama, ist das schön?“

 

 

Wie definierst du „erfolgreich sein“ für dich?

 

Ich glaube, es gibt nicht den einen, richtigen Weg, erfolgreich zu sein, oder zu werden.

Aber ich denke, jeder kann sich auf seine Weise verwirklichen, eine gute Mama zu sein, kann auch Verwirklichung bedeuten und darf nicht gering geschätzt werden. Ich selbst möchte gerne einen gesellschaftlichen und persönlichen Sinn in meiner Arbeit sehen und auch eine Botschaft haben, die ich vermitteln oder vorleben möchte.

Ich möchte mich weiterentwickeln und über mich hinauswachsen. Dazu gehört es auch, sich von alten Mustern und Überzeugungen zu lösen. Wie - mit der Kunst kann man eh kein Geld verdienen. Oder, dass man leiden muss, um etwas Tiefgründiges, eine Botschaft oder Emotionen vermitteln zu können. Und, dass man als Frau in der Kunstwelt eh nur einen Eckplatz hat, Frau mit Kind ganz schwierig.. Ich hab eher die gegenteilige Erfahrung gemacht, nämlich die, dass ich ja, weil ich Kunst mache, mich noch mehr auf allen Ebenen beweisen muss. Ich kenne viele Mütter, die richtig Biss haben und etwas weiterbringen, weil sie sehr effektiv arbeiten können und auch viele leider das Gefühl haben, immer noch mehr machen zu müssen, um sich zu beweisen..

 

 

 

 

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